Soziale Ängste – wieder Vertrauen in sich selbst finden

Seit der Corona-Zeit begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder ein Thema: Menschen fühlen sich im Kontakt mit anderen unsicherer als früher. Begegnungen, Gruppen oder gesellschaftliche Situationen, die einmal selbstverständlich waren, können plötzlich Überwindung kosten.

Wie traue ich mich wieder, auf Menschen zuzugehen? Wie stehe ich auf mit der Angst — denn ohne Angst stehe ich nicht auf, sie ist ja einfach da. Wie sicher fühle ich mich in einer Gruppe? Was denke ich darüber, wie andere mich sehen? Und wie sehr bestimmt diese Vorstellung darüber, wie ich mich selbst sehe?

Wo stehe ich selbst?

Bei sozialen Ängsten richtet sich die Aufmerksamkeit häufig stark nach außen. Was denken die anderen über mich? Wirke ich unsicher? Sage ich etwas Falsches? Passe ich dazu?

Für mich kann deshalb eine andere Frage wichtig werden: Wo stehe eigentlich ich selbst? Wie kann ich mir selbst Halt geben? Wie kann ich meinen eigenen Wert wahrnehmen, unabhängig davon, wie andere Menschen mich gerade sehen oder beurteilen?

Es geht nicht darum, dass uns die Meinung anderer vollkommen gleichgültig werden muss. Wir Menschen leben in Beziehungen und möchten dazugehören. Aber unser eigener Wert muss nicht ausschließlich davon abhängen, welche Reaktion wir im Außen bekommen.

Sich selbst ein Freund sein

Ein Gedanke begleitet mich dabei besonders: Ich bin mir selbst eine Freundin.

Ich passe auf mich auf. Ich nehme meine Gefühle ernst. Ich darf mir Zeit geben. Ich darf Grenzen haben und gleichzeitig Schritt für Schritt wieder neugierig auf andere Menschen werden. Wenn ich mir selbst ein guter Begleiter sein kann, muss ich Sicherheit nicht im Außen suchen.

Das bedeutet für mich auch, sich selbst etwas geben zu können, anstatt immer darauf zu warten, es von anderen zu bekommen: Aufmerksamkeit, Achtung, Ruhe, Anerkennung oder einfach die Erlaubnis, so sein zu dürfen, wie man gerade ist.

Die eigene Quelle wiederentdecken

Wir suchen vieles im Außen. Menschen sollen uns Sicherheit geben, uns bestätigen, uns Halt geben oder dafür sorgen, dass wir uns wertvoll fühlen. Nur — wenn das nicht passiert?

Natürlich brauchen wir andere Menschen. Beziehung und Verbundenheit gehören zu unserem Leben. Nur ist mir der Gedanke wichtig: Die Quelle liegt nicht im Außen. Sie liegt in mir.

Je besser ich mich selbst kenne und je mehr ich lerne, mir selbst Halt zu geben, desto freier kann ich anderen Menschen begegnen. Nicht weil jede Unsicherheit verschwunden sein muss, sondern weil ich mich selbst dabei nicht verliere und mich einfach selbst lieb habe, so wie ich eben bin.

Schritt für Schritt wieder in Kontakt kommen

Soziale Ängste können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Manchmal geht es um Unsicherheit nach einer längeren Phase des Rückzugs. Manchmal steckt eine ausgeprägte soziale Angststörung dahinter, die das Leben erheblich einschränken kann. Deshalb schauen wir zunächst darauf, was du persönlich erlebst und welche Unterstützung für deine Situation angemessen ist.

In meiner Arbeit können wir uns unter anderem damit beschäftigen, wie du dich selbst wahrnimmst, welche Gedanken dich im Kontakt mit anderen begleiten, was dir Sicherheit gibt und wie du deinen eigenen Wert erlebst.

Dabei muss nicht sofort der große Schritt gemacht werden. Manchmal beginnt Veränderung viel kleiner: Ich nehme mich ernst. Ich passe auf mich auf. Ich gebe mir Halt. Ich habe mich lieb. Und von dort aus darf ich mich der Welt wieder ein Stück öffnen.

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